Textbox - CopyRight?

- Wie viel Kopie ist erlaubt um ein Original zu werden?
- Wie viel Wert hat ein Text, hat Kunst in einer Welt voller Kommerz und Konsum?
- Wie viel Beachtung braucht die eigene Stimme um existieren zu können?
 

 

Von der aktuellen Ausstelung des Kunsthauses Graz inspirert, bot dieser Workshop eine neue Form der Auseinandersetzung mit dem Thema Kopie und Original:

Copy.Right?

How to write authenticallyShangArt Supermarket

 

Authentisch schreiben in einer Welt voller Buchstaben, Wörter und Texte….
Sich zwischen den bereits vorhandenen Texten frei bewegen …
Und dennoch die Anlehnung an andere nicht scheuen…

 

Hier die Gedanken von Susanne Obrietan:

 

ShanghWAS?

Welches Teufelchen hat mich geritten, mich für einen Schreibworkshop anzumelden? Vermutlich dasselbe, das mich in eine Quizshow, live und vor Publikum, gelotst hat. Augen zu und durch. Die Momente, in denen ich versucht habe nicht verrückt zu sein, waren die schlimmsten fünf Minuten meines Lebens. Oder so ähnlich.
Und so finde ich mich in einem Shanghaier Supermarkt wieder. Mitten in Graz wohlgemerkt. ShanghART.. Der Alien im Friendly Alien. Ein Supermarkt als Installation. Als Kunstobjekt. Von Xu Zhen.
Leere Verpackungen. Da findet sich die Schachtel einer seinerzeitigen Überdosis Ferrero Rocher, dieser nougatgeschwängerten Schokolade-Nuss-Bombe. Dieses Kunstwerk kann man erwerben. Eine leere Pralinenschachtel um wohlfeile € 98,-. Absolut kalorienfrei, trotzdem gehaltvoll.
Ketchupflaschen, Coladosen, Pringles-Röhren, Scheuermilch und Heftpflaster. Und die Packungen von diesen sonderbaren Strips, mit denen man sich Mitesser von den Nasenflügeln ziehen kann. Warum gibt es keine Kondompackungen?
Ohne mein teuflisches Verrücktsein wäre ich mit meiner Kamera hier, statt mit Papier und Feder. Eine völlig neue Perspektive. Ich fühle mich ein wenig amputiert ohne meine Kamera. Soviele Objekte graben sich geradezu in mein Gehirn. Ich muss mit Worten fotografieren. Und dennoch, die Kamera würde nur das Gebinde einfangen. Die Leere kann ich mit Worten hinzufügen. Mit Worten fotografieren. Leere greifbar machen. Ein paar Stunden später habe ich gelernt, was ich intuitiv bereits empfunden habe.
Und wieder diese Fragen. Worauf habe ich mich bloß eingelassen? Das Schreibfieber hat mich bereits vollends erfasst. Und wie heißt eigentlich Supermarkt auf Chinesisch? Welches Chinesisch spricht man überhaupt in Shanghai? Mandarin, Kantonesich oder eine Wu-Varietät? Und warum findet sich in diesem Supermarkt keine Kondompackung? Manchmal reißen mich meine Assoziationsketten tief in den Abgrund. Einmal die Nummer Neunundsechzig bitte! Das ist doch Chicken Kung Pao?
Ich habe mich eingelassen. Die Leere ist so voller Inhalte. Und die Ketchupflasche ist es, die mich geradezu drängt, eine Ode an ihren ehemaligen Untermieter zu schreiben.
Und ich werde mich wieder einlassen. Ich werde fotografieren. Mit Worten und mit Bildern.

© bei Susanne Obrietan, 06.12.2015


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